Immer wieder komme ich an einen Punkt, an dem ich das Gefühl habe, fotografisch auf der Stelle zu stehen und neugierig werde.  Es gibt Bücher über Fotografie, die mich inspirieren Neues zu probieren und meine Fotografie weiterzuentwickeln. Daran möchte ich euch teilhaben lassen und euch immer mal wieder ein Buch vorstellen und für euch besprechen.  

                                 (Werbung)


Buchrezension:

 Hoffmann, Torsten Andreas: Fotografie als Meditation - Eine Reise zur Quelle der Kreativität. Heidelberg 2018, 2. Auflage, dpunkt.verlag

 

Das Buch "Fotografie als Meditation" (287 Seiten, 32 Kapitel) richtet sich an alle fotografierenden Menschen, die auf der Suche nach einer anderen, inspirierenden und ruhigeren Art zu fotografieren sind, wo es nicht um technische Komponenten, um Pixelzahl und perfekte Schärfe geht.  Ich selbst fühle mich oft umgeben von dem Streben nach dem absolut perfekten Bild, dem allerbesten und neuesten Equipment und dem Gefühl, nur mit Vollformat sei man der richtige Fotograf. Oftmals wird vergessen, dass Fotografieren eine Kunst darstellt, bei der der Mensch hinter der Kamera mit seinen Ideen, Gefühlen und Gedanken, seiner Haltung zur umgebenden Umwelt ein wesentlicher Moment ist. 

Hier setzt Torsten Andreas Hoffmann an und spricht sich dafür aus, die Fotografie auch als Meditation, als Weg für sich zu sehen, zu guten Bildern zu gelangen. Damit meint er die Bilder, die die eigenen Empfindungen berühren.  Meditativ sind dabei  sowohl der Prozess des Fotografierens als auch das Motiv, der Gegenstand, die Situation oder die Umwelt selbst. 

Er spricht damit ein Leserpublikum an, das tiefere Einblicke in den meditativen Umgang mit Fotografie bekommen möchte und Fotografie zur Entspannung oder besonderen Fokussierung für sich sucht.

Zu Beginn des Buches nimmt Hoffmann die Leser mit in die (Gedanken-)Welt der Meditation. Zen-Philosophie und Kontemplation werden gut verständlich soweit erläutert, dass es leicht fällt, diese Gedanken auf die Fotografie zu übertragen. Dabei stellt er westliches und östliches Denken gegenüber und es wird schnell klar, wie sich dieses auf die Fotografie auswirkt. So beschreibt Hoffmann, dass das westliche Denken geprägt ist von großem Detailwissen und teils übertriebener Aktivität, das östliche dagegen von Gelassenheit und Intuitivität und der Wahrnehmung des großen Ganzen (S. 40ff).

Was er mit Meditation in der Fotografie meint, verdeutlicht der Autor in den weiteren Kapiteln anhand vieler passender Bildbeispiele. Besonders sein Projekt "Janusblicke",  bei dem er Vorder- und Rückansicht desselben Ortes abbildet, verdeutlicht, dass Meditieren auch bedeutet, die Dinge von mehreren Seiten zu betrachten (S.62 ff).  Weitere Kapitel beschäftigen sich mit Landschaftsfotografie, Lost Places, Street Photography, Detailaufnahmen, Industrie und Abstraktionen, um  nur einige zu nennen. Außerdem geht Hoffmann der Frage nach "Was ist Kreativität?" (S. 256 ff) und hilft im letzten Kapitel, den Weg zum eigenen Stil zu finden (S. 282 ff). Hier verdeutlicht Hoffmann Folgendes: "Die Kreativität im Sinne des Zen unterliegt nicht dem Zwang, in jedem Fall etwas Neues, noch nie Dagewesenes zu schöpfen; die Originalität von künstlerischen Produkten (…) zeigt sich vielmehr subtil. (…) Genauso lässt sich auch erkennen, ob eine Fotografie aus einer tieferen Quelle der Kreativität heraus entstand oder einfach nur mal eben so geknipst wurde." (Hoffman: Fotografie als Meditation. Heidelberg 2018. S. 256).  Wie unterschiedlich  Kreativität von verschiedenen Personen wahrgenommen werden kann, beschreibt er anschließend eindrücklich.

Ich fühlte mich durch das Buch sehr angesprochen und habe bereits erste meditative Gehversuche mit der Kamera unternommen. Dafür hat mich besonders das Kapitel 30 "Beim Meditieren Empfundenes als Bild gestalten" angeregt, mit der Kamera zu malen und längere Verschlusszeiten zu wählen. Einige meiner so entstandenen Bilder möchte ich noch hier auf meiner Homepage veröffentlichen und mit dieser Buchbesprechung verlinken.

Das Buch ist thematisch umfassend geschrieben ohne m. E. etwas vermissen zu lassen.  Torsten Andreas Hoffmann hat sich lange vorab sehr mit  Meditation befasst, das macht dieses Buch sehr authentisch. 

Mein Fazit ist, dass dieses Buch helfen kann, einen anderen fotografischen Weg zu beschreiten als den der Technikgläubigkeit. Es hilft den Blick zu öffnen und die (Um-)Welt neu wahrzunehmen. Allerdings muss man sich darauf einlassen können und sollte die notwendige Offenheit und Verständnis für verschiedene Arten und Ansätze der Meditation mitbringen. Dann wird das Buch eine große Bereicherung sein!

 

Christine Hoppe, 02.08.2018

 


Buchempfehlungen:                                                                                                                                           

  • Hoffmann, Torsten Andreas: Der abstrakte Blick - Kompositionsschule für eine künstlerische Fotografie. Heidelberg 2016, 1. Auflage. dpunkt.verlag
  • Timm, Martin: Haiku fotografieren - Ein neuer Ansatz für die Naturfotografie. Münster 2016, 1. Auflage. fotoforum Verlag